Orlowski Fotografie
Der Schäfer führt seine Herde über einen Weg bei Tübingen

Eine Fotoreportage aus Tübingen

Die Schäferei

Der Schäfer Andi geht voran und die Herde folgt.

Wie alles begann

An einem Montagabend im Frühjahr 2026 bin ich nach Feierabend eine Runde auf dem Galgenberg in Tübingen spazieren gegangen. Eigentlich wollte ich vor dem Friedhof schon wieder Richtung Sudhaus über die Treppen bergab gehen – doch an dieser Abzweigung vernahm ich lautes Blöken. Ich wusste, dass die Schafe immer wieder dort oben waren, aber so laut hatte ich sie bisher nicht erlebt. Ich lief hinüber und traf zum ersten Mal die Mutter des Schäfers – und später Andi, den Schäfer, selbst. Am nächsten Tag kam ich wieder, diesmal mit der Kamera im Gepäck. Seitdem war ich an vielen Abenden mit dabei, wenn die Schafe auf eine neue Wiese kamen, und habe verschiedene Momente aus dem alltäglichen Leben mit Schafen fotografiert.

Sobald man bei den Schafen ist, stellt sich eine Ruhe ein.
Andi, der Schäfer

Kapitel 1

Unterwegs mit der Herde

Die Weiden, die Andi gepachtet hat, liegen über die ganze Stadt verteilt – die Schafe sind deshalb immer wieder unterwegs, auch längere Strecken quer durch Tübingen. Mal sind sie auf dem Galgenberg, mal auf dem Österberg und oben bei den Kliniken. Das zeigt zum einen, wie viel Grün es verteilt in der Stadt gibt, zum anderen den Kontrast zwischen Natur und Stadt.

Die Herde auf dem Weg zur nächsten Wiese, die Lämmer auf Erkundungstour
Auf dem Weg zur nächsten saftigen Wiese – die kleinen Lämmer noch auf Erkundungstour.
Die beiden Hunde Flora und Anka warten im Auto, einem geländegängigen Subaru
Die beiden Hunde Flora und Anka warten im Auto, einem geländegängigen Subaru.
Hündin Anka unterwegs im hohen Gras
Anka unterwegs im hohen Gras.

Kapitel 2

Lämmer und Frühjahr

Im Frühjahr gibt es täglich neue Lämmer. Das sorgt für einiges an Arbeit, und die Herde muss noch aufmerksamer beobachtet werden: Ist seit dem letzten Besuch ein Lamm hinzugekommen? Akzeptiert das Mutterschaf das neue Lamm, oder muss es mit der Flasche aufgezogen werden? Wenn die Lämmer nach ein paar Tagen sicherer auf den Füßen sind, springen sie zusammen wild umher und jagen durch die Herde.

Andi trägt ein neugeborenes Lamm zum Auto
Andi trägt ein Lamm zum Auto.
Ein Lamm neben seinem Mutterschaf blickt in die Kamera
Das Lamm hat die Kamera entdeckt.
Lämmer tollen gemeinsam im hohen Gras der Frühlingsweide
Die Lämmer tollen gemeinsam herum.
Ein Lamm trinkt bei seiner Mutter
Ein Lamm trinkt bei der Mutter.
Lämmer stehen zusammen, während die erwachsenen Schafe grasen
Während die erwachsenen Schafe grasen, überlegt sich der Nachwuchs den nächsten Unsinn.
Lämmer rennen über die Weide
Zeit für ein Wettrennen.

Kapitel 3

Die Menschen

Andi hat einen Vollzeitjob und kümmert sich nebenberuflich um die Schafe – ein ganz schön volles Programm, denn Ruhephasen gibt es kaum. Im Frühjahr kommen die Lämmer, dann muss geschoren werden, und im Sommer brauchen die Schafe täglich frisches Wasser. Gerade die Hitze dieses Sommers, vor der man sich als Mensch am liebsten verstecken würde, bedeutet für die Schäferei harte Arbeit: Wasser fahren, größtenteils in der prallen Sonne. Alleine wäre das nicht zu schaffen: Unterstützung bekommt Andi aus der ganzen Familie, die ebenfalls Schafe hält, von Inga, die immer wieder mit nach den Schafen schaut und die Lämmer mit aufzieht, und von mehreren weiteren Helferinnen und Helfern – manche sind jeden Morgen dabei, bevor ihr eigener Arbeitstag beginnt. Wie eng es wirtschaftlich ist, zeigt allein die Schur: Das Scheren der Herde kostet mehr, als der Verkauf der Wolle einbringt. Andi und seine Familie sind trotzdem froh, dass die Wolle überhaupt Abnehmer findet, denn sonst müsste sie kostenpflichtig entsorgt werden.

Porträt von Andi auf der Weide
Andi auf der Weide. Gute Laune trotz großer Hitze.
Andi führt seine Herde bei dramatischem Wetter zur nächsten Wiese
Dramatisches Wetter sorgt für dramatische Fotos. Andi führt seine Herde zur nächsten Wiese.
Inga mit einem der Lämmer im Frühling
Inga mit einem der Lämmer im Frühling.
Einer der Hunde der Schäferei wird gekrault
Auch die Hunde gehören fest zur Schäferei und kommen neben den Schafen natürlich nicht zu kurz.
Andi arbeitet mit dem Traktor zwischen Stall und Weide
Um das Wasser transportieren zu können, braucht es schweres Gerät – Andi tauscht den Subaru gegen den Traktor.
Andi befestigt Wassertanks für die Weide auf dem Anhänger
Die Wassertanks sind riesig – doch in diesem Sommer muss fast täglich neues Wasser auf die Weide, weil es so warm ist.
Andi auf dem Anhänger zwischen den Wassertanks im Abendlicht
Abendlicht über den Wassertanks.

Kapitel 4

Weide und Alltag

Jeden Tag eine neue saftige Wiese und eine schöne Aussicht – den Schafen geht es hier in Tübingen schon sehr gut. Ihre Anwesenheit sorgt regelmäßig für Begeisterung: Viele Leute bleiben stehen und schauen der Herde zu, und gerade junge Familien verweilen am längsten, wenn der eigene Nachwuchs fasziniert den Schafsnachwuchs beobachtet. Nach der Schur sind die Schafe übrigens ein paar Tage lang etwas beleidigt – sie sehen anders aus und riechen anders, und das muss die Herde erst wieder sortieren.

Schafherde auf einer Streuobstwiese bei Tübingen
Die Herde im Frühling auf einer Streuobstwiese bei Tübingen.
Schafe grasen am Abend auf der Weide
Abendstimmung auf der Weide.
Ein Schaf streckt sich nach frischen Blättern eines Busches
Wenn es die Möglichkeit gibt, für kulinarische Abwechslung zu sorgen, werden die älteren Schafe auch mal kreativ.
Schafe und Lämmer warten am Weidezaun neben dem Wagen des Schäfers
Wenn der Schäfer am Abend kommt, wissen die Schafe: Es geht weiter – und stehen schon mal an für die beste Startposition zur nächsten Wiese. Fast wie vor dem All-inclusive-Buffet.

Schluss

Die Geschichte geht weiter

Lämmer folgen der Herde auf einem Feldweg
So wie die Schafe immer weiterwandern, geht auch diese Geschichte weiter – und ich hoffe, ich kann sie um viele weitere tolle Motive und Einblicke ergänzen.

Es war und ist spannend, Andi und einige der vielen Menschen kennenzulernen, die zur Schäferei gehören. Es sind deutlich mehr, als auf meinen Bildern zu sehen sind, und ohne sie alle würde das nicht funktionieren. Ich kann die Faszination, mit Schafen zu arbeiten, jetzt viel besser verstehen – und sehe zugleich, wie immens die Herausforderungen sind. Die Schäferei ist so wichtig für unsere Landschaft, und doch wird es immer schwieriger, sie sinnvoll auszuüben.

Besonders beeindruckt haben mich die Menschen dahinter und ihre Geschichten – etwa zu sehen, mit wie vielen Leuten Andi als Schäfer ins Gespräch kommt. Das steht in starkem Kontrast dazu, wie sich die Welt durch Technik verändert. Oft kommt die soziologische Diagnose auf, dass Smartphones und Social Media uns eher auseinandertreiben, als uns zusammenzubringen. Dem gegenüber stehen die Schafe: Sie bringen die Menschen untereinander und Mensch und Natur wieder ein Stück näher zusammen.

Wie geht es weiter? Als Nächstes ist ein Kalender über die Herde geplant. Wenn er zustande kommt, fließt ein Teil der Einnahmen direkt zurück an die Schäferei.

Vielen Dank an Andi, Inga und alle, die zur Schäferei gehören, dass ich dabei sein durfte und ihr mir so tolle Einblicke in eure Welt gegeben habt. Und vor allem danke, dass ich die Fotos hier teilen darf. Ich freue mich auf viele weitere Momente mit der Herde.

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